galeriebild-menschen-brauchen-starke-bilder2

Menschen brauchen starke Bilder

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Neuigkeiten

Die Schule für Bildende Kunst und Gestaltung hatte zum Künstlergespräch mit Aljoscha Blau geladen. Der mit seinen Kinderbuchillustrationen bekannt gewordene Künstler erzählte von seinen Arbeiten der letzten Jahre, von seinen Büchern, Projekten und Positionen. Seine Ausführungen begleitete Aljoscha Blau mit Lichtbildprojektionen, mit denen er sinnreich seine künstlerische Gedankenwelt erläuterte.

Den Anfang machte ein Blatt aus seinem neuesten, noch nicht in Druck befindlichen Werk, bei dem er Texte von 20 Autoren zum Thema des Fremden illustriert. Da sitzt ein etwas einsam und düster dreinblickendes Äffchen auf einem Barhocker und ihm gegenüber auf einem weiteren Barhocker türmen sich bunte Luftschlangen. Aljoscha Blau erläutert: „Dieses Bild beschreibt sehr gut den Zustand des Illustratoren. Ein guter Illustrator schafft Spannungen, die sich wie ein Leerraum zwischen Wort und Bild aufziehen. Die Illustration lädt ein, sich hinzusetzen und nachzudenken, wobei die Bilder ihren eigenen Raum behalten.“

Neue Buchprojekte stets mit leerem Kopf beginnen

Aljoscha Blau folgt dabei dem Prinzip, an neue Buchprojekte stets mit leeren Kopf heranzugehen, sich neue Herangehensweisen zu erlauben und möglichst einen allzu engen Stil zu vermeiden. Er illustriert seine Ausführungen am Beispiel der Bebilderung eines Doppelbandes mit Memoiren und Gedichten des russischen Sängers Oleg Garkuscha. „Bei dieser Arbeit habe ich etwas Neues versucht. Ich habe von vornherein nicht versucht, seine Gedichte und Texte zu illustrieren, vielmehr habe ich versucht seine Schreibweise, die oft etwas wie hingekritzelt wirkt, nachzuahmen und so den Geschmack der Bilder an den der Gedichte anzunähern.“

Weiter geht es im Vortrag mit Beispielen seiner Kinderbuch-Arbeiten. Da ist der wunderschöne Band ‚Kamel bleibt Kamel – Äsops Bilderbogen‘, den Aljoscha Blau zum Anlass nimmt, von seiner bevorzugten Maltechnik, der Gouache, zu erzählen: „Gouache ist eine wunderbare Technik, die ich für mich sozusagen wiederendeckt habe. In meinen Augen übertrifft die Gouache das Acryl. Sie erlaubt unterschiedlichste Malweisen und es lässt sich damit unglaublich fein abgestuft arbeiten. Allerdings dauert es etwas, bis man sich die Kniffe angeeignet hat, das hochvariable Potenzial der Technik ausschöpfen zu können.“

Eine Idylle überschattet von der Notwendigkeit des Aufbruchs

In ‚Das Kind im Mond‘ des vor zwei Jahren verstorbenen schweizer Autors Jürg Schubiger wird die Geschichte einer Familie, die auf dem Mond lebt, und von dem Kind, das seine Eltern verlassen muss, um auf die Erde zu fliegen, erzählt. „Bei diesem Buch habe ich versucht, die Stimmung der Idylle und des harmonischen Lebens der Familie, die aber immer überschattet ist von der Notwendigkeit des Aufbruchs, einzufangen. Dieser Abgrund, dieses Nichts schwingt im schwarzen Hintergrund der Bilder mit, die Mondpflanzen sind übergroß und reflektieren die leicht skurile Situation.“

Befragt, wie lange er denn an so einem Buch arbeiten würde, erklärt Aljoscha Blau, die Vorbereitungen für dieses Projekt hätten zwei Jahre beansprucht, wobei die endgültigen Zeichnungen dann allerdings in einem Zeitraum von zwei Monaten entstanden wären. „Die Bilder zu malen ist eigentlich das Einfachste. Was viel schwieriger und langwieriger ist, ist einen Rhythmus zu entwickeln, mit dem der vorgelegte Text in eine angemessene Form übersetzt werden kann. Herauszufinden, was gezeigt werden soll und was nicht oder was versteckt gezeigt werden soll.“

Eine Übersetzungstätigkeit, die immer neue Formen findet

Eine Übersetzungstätigkeit, die bei Aljoscha Blau immer neue Formen findet. Da ist ist die Geschichte einer Familie in Moskau, die von einer Puppe heimgesucht wird, die Kleider frisst, sein Buch mit nordischen Sagen oder seine Illustrationen einer Neuausgabe von Rudyard Kiplings ‚Dschungelbuch‘. „Bei der Geschichte der frechen Puppe habe ich das Anarchische in ihrem Wesen in ein sehr freies Layout übersetzt, bei den nordischen Sagen zeigt sich das Düstere und Dunkle in den Geschichten in einer sehr reduzierten Farbigkeit, die die Freude, wenn nach dem langen nordischen Winter der kurze Frühling kommt und alles aufblüht, vielfach stärker wirken lässt. Beim ‚Dschungelbuch‘ ist der Junge Mowgli viel mehr wie ein Tierchen, während ich die Tiere mit viel mehr Persönlichkeit ausgestattet habe.“

Aljoscha Blau erzählt noch viele Geschichten von seinen Büchern, von den kleinen technischen Tricks und der entscheidenden Bedeutung, die der täglichen Arbeit mit seinen Skizzenbüchern mittlerweile zukommt. Und immer wieder kommt ein ernster und nachdenklicher Tenor in seiner Arbeit zum Tragen: Darauf angesprochen, ob die roten Hunde und der Wolf im Dschungelbuch für Kinder nicht etwas zu unheimlich seien, erklärt Aljoscha Blau: „Kinder brauchen starke Bilder – und Erwachsene natürlich auch. Man sollte im Leben möglichst viel durch sich hindurchgehen lassen, und das gilt besonders für Kinder.“

Beitragsbild: Aljoscha Blau beim Künstlergespräch in der Kunstschule.